Das Tanklager und die TA Luft

Die Re­ge­lung in § 4 Abs. 3 Nr. 2 der 20. BIm­SchV schlie­ßt für die vom An­wen­dungs­be­reich der 20. BIm­SchV er­fass­ten flüch­ti­gen or­ga­ni­schen Ver­bin­dun­gen (VOC), zu denen in ers­ter Lin­ie die Koh­len­was­ser­stof­fe, mit­hin auch Ben­zol, ge­hö­ren, einen Rück­griff auf die Grenz­wer­te der TA Luft grund­sätz­lich aus.

Das Tanklager und die <span class=TA Luft" title="Das Tanklager und die TA Luft" srcset="https://www.umweltlupe.de/wp-content/blogs.dir/15/files/sites/15/2019/01/laboratory-1009190_1920.jpg 1920w, https://www.umweltlupe.de/wp-content/blogs.dir/15/files/sites/15/2019/01/laboratory-1009190_1920-300x200.jpg 300w, https://www.umweltlupe.de/wp-content/blogs.dir/15/files/sites/15/2019/01/laboratory-1009190_1920-768x512.jpg 768w, https://www.umweltlupe.de/wp-content/blogs.dir/15/files/sites/15/2019/01/laboratory-1009190_1920-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">

Die Verord­nung zur Begren­zung der Emis­sio­nen flüchtiger organ­is­ch­er Verbindun­gen beim Umfüllen und Lagern von Ottokraft­stof­fen — 20. BIm­SchV — vom 27.05.19981 dient der Umset­zung der Richtlin­ie 94/63/EG des Europäis­chen Par­la­ments und des Rates vom 20.12.19942 zur Begren­zung der Emis­sio­nen flüchtiger organ­is­ch­er Verbindun­gen (VOC-Emis­sio­nen) bei der Lagerung von Ottokraft­stoff und sein­er Verteilung von den Aus­liefer­ungslagern bis zu den Tankstellen3.

Die Richtlin­ie 94/63/EG ver­fol­gt das Ziel, vom Ottokraft­stoff stam­mende VOC-Emis­sio­nen wesentlich zu ver­ringern; einige dieser VOC-Emis­sio­nen wer­den als giftig, kreb­ser­re­gend oder ange­borene Miss­bil­dun­gen her­vor­rufend eingestuft4. Die 20. BIm­SchV sieht — eben­so wie die Richtlin­ie 94/63/EG und anders als etwa die vom Bun­desver­wal­tungs­gericht in seinem Urteil vom 26. April 20075 behan­delte 17. BIm­SchV und die TA Luft — keine Emis­sion­s­gren­zw­erte für einzelne Stoffe vor. Sie enthält vielmehr eine all­ge­mein auf „Emis­sio­nen an Dämpfen im Abgas“ bezo­gene Gren­zw­ertregelung in § 4 Abs.03. Dabei wer­den unter „Dämpfen“ gemäß der mit der Def­i­n­i­tion in Art. 2 Buchst. b) der Richtlin­ie 94/63/EG übere­in­stim­menden Regelung in § 2 Nr. 5 der 20. BIm­SchV „gas­för­mige Verbindun­gen, die aus Ottokraft­stoff ver­dun­sten“ ver­standen.

Nach § 4 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a) der 20. BIm­SchV dür­fen bei — wie hier — genehmi­gungs­bedürfti­gen Anla­gen die Emis­sio­nen an Dämpfen im Abgas eine Massenkonzen­tra­tion von 0,15 g/m3 nicht über­schre­it­en, soweit der Massen­strom der Dämpfe ins­ge­samt 3 Kilo­gramm je Stunde oder mehr beträgt. Diese Regelung knüpft an die sein­erzeit vorhan­dene Regelung in Nr.03.01.7 der TA Luft an. Der Gren­zw­ert von 0,15 g/m³ kann von ein­stu­fi­gen, über­wiegend jedoch zweistu­fi­gen Abga­sein­rich­tun­gen einge­hal­ten wer­den6.

Die Regelung in § 4 Abs. 3 Nr. 2 der 20. BIm­SchV schließt für die vom Anwen­dungs­bere­ich der 20. BIm­SchV erfassten flüchti­gen organ­is­chen Verbindun­gen (VOC), zu denen in erster Lin­ie die Kohlen­wasser­stoffe, mithin auch Ben­zol, gehören, einen Rück­griff auf die Gren­zw­erte der TA Luft grund­sät­zlich aus. Dies fol­gt aus dem Recht­snorm­charak­ter der Verord­nung und wird auch in Nr. 1 Abs. 4 TA Luft klargestellt. Danach gel­ten die Anforderun­gen der Nr. 5.1 bis 5.4 TA Luft nicht für genehmi­gungs­bedürftige Anla­gen, soweit in Rechtsverord­nun­gen der Bun­desregierung Anforderun­gen zur Vor­sorge und zur Ermit­tlung von Emis­sio­nen an luftverun­reini­gen­den Stof­fen getrof­fen wer­den. Ausweis­lich der Begrün­dung hierzu gehen hin­sichtlich der Anforderun­gen zur Vor­sorge Regelun­gen in vorhan­de­nen und kün­fti­gen Rechtsverord­nun­gen (z.B. 13., 17., 20., 30. und 31. BIm­SchV) vor, jedoch nur für solche Stoffe und für solche Tätigkeit­en, für die in den Rechtsverord­nun­gen Regelun­gen getrof­fen wer­den. So enthalte z.B. die 31. BIm­SchV lediglich Anforderun­gen zur Begren­zung von organ­is­chen Kohlen­wasser­stof­fen, diese allerd­ings abschließend; ergänzend gäl­ten somit hin­sichtlich der Anforderun­gen zur Begren­zung ander­er Emis­sio­nen, z.B. von Staub oder Stick­stof­fox­i­den, die Anforderun­gen der TA Luft7.

Abwe­ichen­des fol­gt auch nicht aus § 10 der 20. BIm­SchV. Danach bleibt die Befug­nis der zuständi­gen Behörde, auf Grund des Bun­des­Im­mis­sion­ss­chutzge­set­zes andere oder weit­erge­hende Anord­nun­gen zu tre­f­fen, unberührt, soweit die Vorschriften der Richtlin­ie 94/63/EG und die Vorschriften über die Beförderung gefährlich­er Güter nicht ent­ge­gen­ste­hen. Diese Vorschrift enthält — wie das Bun­desver­wal­tungs­gericht in seinem Urteil vom 26. April 20078 zu der weit­ge­hend gle­ich­lau­t­en­den Regelung in § 20 der 17. BIm­SchV bere­its entsch­ieden hat — keine eigen­ständi­ge Hand­lungser­mäch­ti­gung, son­dern stellt lediglich klar, dass die auf Rechts­grund­la­gen außer­halb der 20. BIm­SchV beruhen­den Befug­nisse der Behör­den durch diese Verord­nung nicht ver­drängt wer­den.

Ob auf § 10 der 20. BIm­SchV zurück­ge­grif­f­en wer­den kann, wenn der in der Rechtsverord­nung zugrunde gelegte Stand der Tech­nik offen­sichtlich fort­geschrit­ten ist9, kann dahin­ste­hen, weil hier­von nach den nicht Tat­sachen­fest­stel­lun­gen im vor­liegen­den Fall nicht auszuge­hen ist. Gegen­teiliges fol­gt nicht schon daraus, dass die TA Luft erst mehr als vier Jahre nach der 20. BIm­SchV neu gefasst wor­den ist. Soweit sich die TA Luft in Nr. 1 Abs. 4 zum Anwen­dungsvor­rang von Rechtsverord­nun­gen der Bun­desregierung über Anforderun­gen zur Vor­sorge und zur Ermit­tlung von Emis­sio­nen an luftverun­reini­gen­den Stof­fen ver­hält, bezieht sich dies ausweis­lich der Begrün­dung10 auch auf schon vorhan­dene Verord­nun­gen. Die 20. BIm­SchV ist überdies sowohl im zeitlichen Zusam­men­hang mit der Neu­fas­sung der TA Luft als auch danach geän­dert wor­den, ohne dass hier­von die Gren­zw­erte in § 4 Abs. 3 Nr. 2 der 20. BIm­SchV betrof­fen waren.

Bun­desver­wal­tungs­gericht, Beschluss vom 18. Juni 2012 — 7 B 62.11

  1. BGBl I S. 1174, zulet­zt geän­dert durch Verord­nung vom 04.05.2009, BGBl I S. 1043 []
  2. ABl EG Nr. L 365 S. 24 []
  3. BR-Drucks 287/98 S. 21 []
  4. vgl. Erwä­gungs­grund Nr. 2 []
  5. BVer­wG, URteil vom 26.04. 2007 — 7 C 15.06, Buch­holz 406.25 § 48a BIm­SchG Nr. 2 []
  6. BR-Drucks 287/98 S. 26 []
  7. BR-Drucks 1058/01 S. 238; vgl. auch Hans­mann, in: Landmann/Rohmer, Umwel­trecht, Bd. IV, Stand Dezem­ber 2011, Vorb. TA Luft Rn. 21 []
  8. BVer­wG, URteil vom 26.04.2007, a.a.O. Rn. 16 []
  9. so Hans­mann, a.a.O. Rn. 21 []
  10. BR-Drucks 1058/01 S. 238 []