FFH-Verträglichkeitsprüfung

Bei der FFH-Ver­träg­lich­keit­s­prü­­fung sind die­je­ni­gen cha­rak­te­ris­ti­schen Arten aus­zu­wäh­len, die einen deut­li­chen Vor­kom­mens­schwer­punkt im je­wei­li­gen Le­bens­raum­typ auf­wei­sen bzw. die Er­hal­tung ihrer Po­pu­la­tio­nen muss un­mit­tel­bar an den Er­halt des je­wei­li­gen Le­bens­raum­typs ge­bun­den sein. Die Arten müs­sen für das Er­ken­nen und Be­wer­ten von Be­ein­träch­ti­gun­gen re­le­vant sein, d.h. es sind Arten aus­zu­wäh­len, die eine In­di­ka­tor­funk­ti­on für po­ten­zi­el­le Aus­wir­kun­gen des Vor­ha­bens auf den Le­bens­raum­typ be­sit­zen.

FFH-Verträglichkeitsprüfung

Ein Na­tur­schutz­ver­band ist mit sei­nen Ein­wen­dun­gen präk­lu­diert, wenn er erst im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren Tras­sen­al­ter­na­ti­ven gel­tend macht, die der Vor­ha­ben­trä­ger auch unter na­tur­schutz­fach­li­chen Ge­sichts­punk­ten un­ter­sucht und mit der als ver­träg­lich mit den Na­tur­schutz­be­lan­gen an­ge­se­he­nen Plan­tras­se ab­ge­wo­gen hat.

Bei Stick­stof­f­e­in­trä­gen ist eine Ir­re­le­vanz­schwel­le an­zu­er­ken­nen, wenn schon die Vor­be­las­tung den sog. Cri­ti­cal Load für den be­trof­fe­nen Le­bens­raum­typ so deut­lich über­steigt, dass die vor­ha­ben­be­ding­te Zu­satz­be­las­tung dem­ge­gen­über nicht ins Ge­wicht fällt (An­schluss an Ur­teil vom 14. April 2010 — BVer­wG 9 A 5.08 — BVerw­GE 136, 291 Rn. 93).

Tat­sa­chen, die au­ßer­halb des FFH-Ge­­bi­ets ar­ten­schutz­recht­lich zu be­rück­sich­ti­gen sind, wir­ken sich auf die Recht­mä­ßig­keit der FFH-Ver­träg­lich­keit­s­prü­­fung nicht aus.

Als den Pro­jekt­be­griff im Sinne des § 48d Abs. 4 LG NRW, § 34 Abs. 2 BNatSchG, Art. 6 Abs. 3 FFH-RL er­fül­len­der Ein­griff in Natur und Land­schaft ist nach § 14 Abs. 2 BNatSchG die land­wirt­schaft­li­che Bo­den­nut­zung nicht an­zu­se­hen, wenn die Ziele des Na­tur­schut­zes be­rück­sich­tigt wer­den. Die Frage, ob von ein­er kon­kre­ten land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung eine Be­ein­träch­ti­gung dro­ht, ist zu­vör­derst eine na­tur­schutz­fach­li­che Frage, die der für die Un­ter­schutz­stel­lung zu­stän­di­ge Norm­ge­ber im Zu­sam­men­hang mit der Schutz­ge­biets­aus­wei­sung und der Schutz­ge­biets­pfle­ge zu re­geln hat.

So­lan­ge der Bund von der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung nach § 15 Abs. 7 Satz 1 BNatSchG kei­nen Ge­brauch ge­macht hat, kön­nen die Län­der Ein­zel­hei­ten zu den Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men für Ein­grif­fe in Natur und Land­schaft be­stim­men. Die Kon­kre­ti­sie­rung des all­ge­mei­nen Grund­sat­zes der Voll­kom­pen­sa­ti­on darf nicht hin­ter dem durch die bun­des­ge­setz­li­che Re­ge­lung ge­währ­leis­te­ten Schutz­ni­veau zu­rück­blei­ben.

Bei der Be­wer­tung der Ein­griffs­wir­kun­gen eines Vor­ha­bens ste­ht der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de eben­so wie bei der Be­wer­tung und Quan­ti­fi­zie­rung der Kom­pen­sa­ti­ons­wir­kun­gen von Aus­­gle­ichs- und Er­satz­maß­nah­men eine na­tur­schutz­fach­li­che Ein­schät­zungs­präroga­ti­ve zu.

Bun­desver­wal­tungs­gericht, Urteil vom 6. Novem­ber 2012 — 9 A 17.11