Das Quell­häus­chen – und die Was­ser­ent­nah­me auf­grund behaup­te­ten alten Rechts

Die Ablei­tung von Was­ser in einem Quell­häus­chen erfüllt je nach kon­kre­ter Aus­ge­stal­tung ent­we­der den Benut­zungs­tat­be­stand des § 9 Abs. 1 Nr. 1 WHG oder den des § 9 Abs. 1 Nr. 5 WHG. Auch ein auf der Grund­la­ge des Insti­tuts der unvor­denk­li­chen Ver­jäh­rung ver­mu­te­tes Recht zur Was­ser­be­nut­zung bedarf der Auf­recht­erhal­tung durch eine irgend­wie gear­te­te öffent­lich recht­li­che Über­prü­fung und unter­liegt der Rege­lung durch spä­ter geschaf­fe­ne Erlöschensvorschriften.

Das Quell­häus­chen – und die Was­ser­ent­nah­me auf­grund behaup­te­ten alten Rechts

Nach § 8 Abs. 1 WHG bedarf die Benut­zung eines Gewäs­sers grund­sätz­lich einer Erlaub­nis oder Bewil­li­gung. Tritt die Quel­le im Quell­häus­chen zuta­ge, stellt die beab­sich­tig­te Nut­zung mit­hin ein Ent­neh­men und Ablei­ten aus einem ober­ir­di­schen Gewäs­ser im Sin­ne des § 9 Abs. 1 Nr. 1 WHG dar. So steht es dem Aus­tritt an der Erd­ober­flä­che gleich, wenn das Was­ser in begeh­ba­ren Berg­werks­stol­len, in einer Höh­le oder in einem Kel­ler zuta­ge tritt [1]. Nichts ande­res gilt für den Aus­tritt in einem Quell­häus­chen. Andern­falls wäre jeden­falls der Benut­zungs­tat­be­stand des § 9 Abs. 1 Nr. 5 WHG erfüllt.

Den Rege­lun­gen des WHG unter­fällt sämt­li­ches Was­ser des natür­li­chen Was­ser­kreis­laufs, das der was­ser­wirt­schaft­li­chen Len­kung nach Men­ge und Güte zugäng­lich ist [2]. Nach dem Rege­lungs­zweck des Was­ser­rechts soll eine Was­ser­füh­rung erst dann aus dem was­ser­recht­li­chen Rege­lungs­re­gime ent­las­sen wer­den, wenn eine Abson­de­rung vom natür­li­chen Was­ser­haus­halt erfolgt ist [3]. Mit die­sem Rege­lungs­zweck wäre es nicht ver­ein­bar, wenn der Eigen­tü­mer eines Quell­grund­stücks in der Lage wäre, das aus der Quel­le aus­tre­ten­de Was­ser den Rege­lun­gen des Was­ser­rechts durch den Bau eines Quell­häus­chens voll­stän­dig zu ent­zie­hen. Dem­entspre­chend gel­ten – je nach kon­kre­ter Aus­ge­stal­tung – § 9 Abs. 1 Nr. 1 oder Nr. 5 WHG auch dann, wenn das Was­ser unmit­tel­bar bei sei­nem Aus­tritt gefasst wird [4]. Wel­cher der bei­den Benut­zungs­tat­be­stän­de im vor­lie­gen­den Fall auf­grund der kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung des Quell­häus­chens erfüllt ist, bedarf kei­ner wei­te­ren Auf­klä­rung, da die Ent­nah­me in bei­den Fäl­len nach § 8 Abs. 1 WHG einer was­ser­recht­li­chen Erlaub­nis oder Bewil­li­gung bedarf.

Sofern auf­grund der Fas­sung der Quel­le im Quell­häus­chen nicht mehr von „wild abflie­ßen­dem Was­ser“ aus­ge­gan­gen wer­den könn­te, läge nach § 9 Abs. 1 Nr. 5 WHG eine Benut­zung des Grund­was­sers im Sin­ne des § 3 Nr. 3 WHG vor. Die Fra­ge, ob der Teil des Quell­was­sers, der dem Grund­stück des Klä­gers unter­ir­disch zuge­lei­tet wird; vom natür­li­chen Gewäs­ser­haus­halt abge­son­dert wird und damit nicht mehr zu den ober­ir­di­schen Gewäs­sern gerech­net wer­den kann, begrün­det eben­falls kei­ne Schwie­rig­kei­ten bei der Lösung des vor­lie­gen­den Fal­les. Die­se Ablei­tung erfolgt erst nach dem Zuta­ge­tre­ten des Quell­was­sers und ist damit für die allein ent­schei­den­de Fra­ge, ob die­ses Ablei­ten an der Quel­le einen Benut­zungs­tat­be­stand des § 9 Abs. 1 WHG erfüllt, ohne Bedeu­tung. Ihr kommt ledig­lich Rele­vanz für die hier nicht inter­es­sie­ren­de Abgren­zung der Tat­be­stän­de des § 9 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 5 WHG gegen­ein­an­der zu [5].

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg ver­neint im vor­lie­gen­den Fall auch ein Nut­zungs­recht unter dem Gesichts­punkt der unvor­denk­li­chen Ver­jäh­rung. Bei der sog. unvor­denk­li­chen Ver­jäh­rung han­delt es sich nicht um einen eigen­stän­di­gen Erwerbs­grund, son­dern um eine Ver­mu­tung, dass zu einem nicht mehr fest­stell­ba­ren Zeit­punkt ein Recht ent­stan­den ist [6]. Mit die­sem Aus­gangs­punkt ist es nicht ver­ein­bar, ein auf die­se Wei­se ange­nom­me­nes Recht spä­te­ren Rege­lun­gen über sei­nen Fort­be­stand bzw. sein Erlö­schen zu ent­zie­hen. Auf die­se Wei­se ent­stün­de ein eigen­stän­di­ges Rechts­re­gime für nicht titu­lier­te Rech­te, die einen stär­ke­ren Schutz gegen nach­träg­li­ches Erlö­schen genös­sen als aus­drück­lich und nach­weis­bar erteil­te Rech­te. Dies gin­ge über den Zweck einer Beweis­re­gel weit hinaus.

§ 20 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 WHG betrifft eben­so wie § 32 Abs. 1 Satz 1 Nr. NWG a.F. nicht nur die nach vor­an­ge­gan­ge­nen Geset­zen erteil­ten, son­dern auch die von die­sen auf­recht­erhal­te­nen Rech­te. § 379 Abs. 1 PrWG bestä­tigt die auf beson­de­ren Titel beru­hen­den Rech­te, Abs. 2 die­ser Vor­schrift regelt die Auf­recht­erhal­tung bestehen­der, nicht auf beson­de­ren Titeln beru­hen­der Rech­te. Schon der Wort­laut zeigt mit­hin, dass der Rege­lungs­ge­halt der genann­ten Vor­schrif­ten nicht auf die aus­drück­lich erteil­ten Rech­te beschränkt ist, son­dern alle alten Rech­te betrifft, auch sol­che, deren Bestehen nach der Beweis­re­gel der unvor­denk­li­chen Ver­jäh­rung ledig­lich ver­mu­tet wer­den. Ent­spre­chend ist etwa in § 35 Abs. 2 NWG a.F. ledig­lich von alten Rech­ten und alten Befug­nis­sen die Rede.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist eine was­ser­recht­li­che Benut­zung zudem nur dann erlaub­nis- oder bewil­li­gungs­frei, wenn sie auf Grund von Rech­ten aus­ge­übt wur­de, bei deren Ertei­lung oder Auf­recht­erhal­tung eine irgend­wie gear­te­te öffent­lich-recht­li­che Über­prü­fung der Was­ser­be­nut­zung in was­ser­recht­li­cher Hin­sicht statt­ge­fun­den hat [7]. Es bestand und besteht ein öffent­li­ches Inter­es­se, die auf alten Rech­ten beru­hen­den Benut­zun­gen der Gewäs­ser dem Erlaub­nis- und Bewil­li­gungs­ver­fah­ren der öffent­lich-recht­li­chen Benut­zungs­ord­nung zu unter­stel­len. Das WHG und in sei­ner Aus­fül­lung die Was­ser­ge­set­ze der Län­der ver­fol­gen das berech­tig­te Anlie­gen, für die Zukunft eine geord­ne­te Bewirt­schaf­tung des zur Ver­fü­gung ste­hen­den Was­ser­schat­zes und eine Ver­min­de­rung der für das Was­ser bestehen­den Gefah­ren sicher­zu­stel­len. Die­ses für die Bevöl­ke­rung und die Gesamt­wirt­schaft lebens­wich­ti­ge Ziel hät­te kaum erreicht wer­den kön­nen, wenn die bis dahin weder regis­trier­ten noch auf ihre was­ser­wirt­schaft­li­che Unbe­denk­lich­keit geprüf­ten Ein­grif­fe in den Was­ser­haus­halt auf Dau­er hät­ten fort­ge­führt wer­den dür­fen [8]. Die­ser Recht­spre­chung hat sich auch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg ange­schlos­sen [9]. Sie gilt ins­be­son­de­re und gera­de für die­je­ni­gen Alt­rech­te, deren Bestand sich – wie hier – nur auf das Rechts­in­sti­tut der unvor­denk­li­chen Ver­jäh­rung und damit nicht auf einen beson­de­ren Titel stützt [10].

Nie­der­säch­si­schesn Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Juli 2014 – 13 LA 203/​13

  1. vgl. Czychowski/​Reinhardt, a.a.O., Rdnr. 32 m.w.N.; enger: Faß­ben­der, a.a.O., Rdnr. 25[]
  2. vgl. Czychowski/​Reinhardt, a.a.O., § 2 Rdnrn. 2 f.[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.01.2011 – 7 C 3.10 18[]
  4. vgl. Breu­er, a.a.O., Rdnrn. 141 ff.; Czychowski/​Reinhardt, a.a.O., § 3, Rdnrn. 32 f.; Faß­ben­der, a.a.O., Rdnrn. 25 ff.[]
  5. vgl. dazu: Breu­er, a.a.O., Rdnrn. 141 ff.; Czychowski/​Reinhardt, a.a.O., § 3, Rdnrn. 32 f.; Faß­ben­der, a.a.O., Rdnrn. 25 ff.; jew. m.w.N.[]
  6. vgl. OVG Ber­lin-Bbg., Beschl v. 30.08.2007 – OVG 2 N 34.06 6; Bay. VGH, Urteil vom 05.08.2003 – 22 B 00.291820; Reffken/​Elsner, Nie­der­säch­si­sches Was­ser­ge­setz, § 18, Rdnr. 2, Lose­blatt, Stand Febru­ar 2011[]
  7. vgl. BVerwG, Urteil vom 22.01.1971 – IV C 94.69. 23 f.[]
  8. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.04.2005 – 7 C 16.04 25[]
  9. vgl. Nds. OVG, Urteil vom 06.06.1985 – 3 OVG A 213/​81, ZfW 1987, 111; s. auch Reffken/​Elsner, a.a.O. m.w.N.[]
  10. vgl. Bay. VGH, a.a.O, Rdnr. 24 m.w.N., OVG NRW, Urteil vom 02.07.1976, – XI A 629/​75, ZfW, Schrift­tum und Recht­spre­chung des Was­ser­rechts 1976, 43[]