Falk­ner muss gesun­den Habicht auswildern

Nach­dem ein in Obhut genom­me­ner Habicht von sei­ner Erkran­kung gene­sen ist, hat sei­ne Aus­wil­de­rung unver­züg­lich zu erfolgen.

Falk­ner muss gesun­den Habicht auswildern

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den. Der beklag­te Land­kreis Vul­kan­ei­fel hat­te dem Klä­ger, der über einen Falk­ner­schein ver­fügt und der im Novem­ber 2008 einen an einem Hals­in­fekt lei­den­den Habicht, der zuvor mehr­mals in Hüh­ner­stäl­len auf­ge­grif­fen wor­den war, in sei­ne Obhut genom­men hat­te, dazu auf­ge­for­dert, das inzwi­schen gesun­de Tier aus­zu­wil­dern. Dage­gen wand­te der Klä­ger ein, der Habicht sei zwar gesun­det, er sei aber hilf­los i.S.d. Vor­schrif­ten des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes, weil er mehr­fach dadurch nega­tiv in Erschei­nung getre­ten sei, dass er nicht die typi­schen Nah­rungs­quel­len nut­ze, son­dern Hüh­ner in Stäl­len und auf Hüh­ner­wei­den suche. Des­halb sei­en sei­ne Über­le­bens­chan­cen erheb­lich schlech­ter, als die sei­ner Art­ge­nos­sen. Es sei nur eine Fra­ge der Zeit, bis die jewei­li­gen Eigen­tü­mer der ange­flo­ge­nen Hüh­ner­stäl­le den Habicht erle­gen würden.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier hat die Kla­ge gegen die Aus­wil­de­rungs­ver­fü­gung abge­wie­sen. Nach dem Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz sei­en wild leben­de Tie­re unver­züg­lich frei­zu­las­sen, sobald sie sich selbst­stän­dig erhal­ten könn­ten. Auch wenn sich der vom Klä­ger gesund gepfleg­te Habicht offen­bar auf rela­tiv leicht zu erle­gen­de Beu­te in Stäl­len und ein­ge­zäun­ten Wei­den „spe­zia­li­siert“ habe, kön­ne er sich selbst­stän­dig ernäh­ren. Dass dies in sei­nem Fal­le in Abwei­chung zum übli­chen Beu­te­sche­ma gesche­he, sei recht­lich uner­heb­lich. Der Zugriff von Wild­tie­ren auf land­wirt­schaft­li­ches und sons­ti­ges Eigen­tum wer­de von den Bestim­mun­gen des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes – ver­gleich­bar den Rege­lun­gen des Bun­des­jagd­ge­set­zes – aus­drück­lich in Kauf genom­men. Der Hin­weis des Klä­gers, der Habicht lau­fe Gefahr, als­bald erlegt zu wer­den, ände­re nichts an der Selbst­stän­dig­keit des Vogels. Im Übri­gen ver­sto­ße der betrof­fe­ne Eigen­tü­mer mit der Tötung des Habichts gegen die Bestim­mun­gen des Bundesnaturschutzgesetzes.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 31. August 2011 – 5 K 27/​11.TR