Neue Wald­flä­chen in der Bauleitplanung

Die Fest­set­zung einer Flä­che als „Laub­misch­wald“ fin­det in § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB kei­ne Rechts­grund­la­ge. Auf Flä­chen für die Land­wirt­schaft oder Wald nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Bau­GB kön­nen wegen der Sperr­wir­kung des § 9 Abs. 1 Nr. 25 Bau­GB kei­ne land­schafts­pfle­ge­ri­schen Maß­nah­men fest­ge­setzt werden.

Neue Wald­flä­chen in der Bauleitplanung

Die Fest­set­zung „Flä­che für Laub­misch­wald“ ver­steht das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt inso­weit als Bezeich­nung einer nach Baum­ar­ten spe­zi­fi­zier­ten Art des Wald­auf­baus, für die sich kei­ne Rechts­grund­la­ge in § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB findet.

§ 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB ermög­licht die Fest­set­zung von „Wald“. Eine Befug­nis zur „Kon­kre­ti­sie­rung“ die­ses Begriffs, die es recht­fer­ti­gen könn­te, ihn ein­zu­en­gen und die Fest­set­zung auf Unter­ka­te­go­rien wie „Laub­misch­wald“ zu begren­zen, räumt die Vor­schrift dem Pla­nungs­trä­ger ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Antrags­geg­ne­rin nicht ein. Hier­zu bedürf­te es schon im Hin­blick auf die damit ver­bun­de­ne Beschrän­kung von Nut­zungs­rech­ten der Grund­ei­gen­tü­mer hin­rei­chend bestimm­ter gesetz­li­cher Dif­fe­ren­zie­run­gen, wie sie etwa in Nr. 11 oder Nr. 15 der Rege­lung ent­hal­ten sind. § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB ent­hält sol­che Dif­fe­ren­zie­run­gen nicht. Sie erge­ben sich auch nicht aus ande­ren Vor­schrif­ten. Eine Rege­lung wie § 201 Bau­GB, in der zur begriff­li­chen Klä­rung Unter­ar­ten der Land­wirt­schaft genannt sind und aus der teil­wei­se die Befug­nis zur Bil­dung ent­spre­chen­der städ­te­bau­lich bedeut­sa­mer und mit­hin im Bebau­ungs­plan fest­setz­ba­rer Unter­grup­pen abge­lei­tet wird [1], exis­tiert für die Nut­zungs­art „Wald“ im Bau­ge­setz­buch nicht. Soweit den Vor­schrif­ten der §§ 1 und 11 ff. BWaldG in Ver­bin­dung mit lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen (hier: ins­be­son­de­re §§ 10 bis 12 Bay­WaldG) unter­schied­li­che Zweck­be­stim­mun­gen des Wal­des als Nutz, Schutz- oder Erho­lungs­wald zu ent­neh­men sind, die, wie Nr. 12.2 der Anla­ge zur Plan­zei­chen­ver­ord­nung zeigt, Gegen­stand bau­pla­ne­ri­scher Fest­set­zun­gen sein kön­nen, las­sen sich hier­aus jeden­falls kei­ne Befug­nis­se zur Fest­set­zung bestimm­ter Baum­ar­ten ableiten.

Ein ande­res Ergeb­nis wider­sprä­che im Übri­gen dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang von § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB mit Nr. 25 die­ser Vor­schrift, wonach u.a. für ein­zel­ne Flä­chen mit Aus­nah­me der für land­wirt­schaft­li­che Nut­zun­gen oder Wald fest­ge­setz­ten Flä­chen das Anpflan­zen von Bäu­men und Bin­dun­gen für Bepflan­zun­gen fest­ge­setzt wer­den kön­nen. Die Aus­nah­me­re­ge­lung zuguns­ten der Land- und Forst­wirt­schaft lie­fe leer, wenn der nach § 9 Abs. 1 Nr. 25 Bau­GB nicht regel­ba­re Wald­auf­bau über Fest­set­zun­gen nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB gesteu­ert wer­den könn­te. Dass, wie die Antrags­geg­ne­rin meint, der Fest­set­zung eines „Laub­misch­wal­des“ ein vom Rege­lungs­be­reich des § 9 Abs. 1 Nr. 25 Bau­GB noch nicht erfass­ter Gene­ra­li­sie­rungs- und (Un-) Ver­bind­lich­keits­grad zukommt, ver­mag das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund der in den kon­kre­ti­sie­ren­den text­li­chen Fest­set­zun­gen ent­hal­te­nen zwin­gen­den qua­li­ta­ti­ven und quan­ti­ta­ti­ven Vor­ga­ben für den zu errei­chen­den Laub­holz­an­teil nicht zu erkennen.

Für eine in der Lite­ra­tur ver­tre­te­ne Ein­gren­zung der in § 9 Abs. 1 Nr. 25 Bau­GB ent­hal­te­nen Aus­nah­me mit dem Ziel, sol­che Bepflan­zungs­vor­ga­ben zuzu­las­sen, die nicht dem „Nor­mal­fall“ der Regu­lie­rung der land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Nut­zung der fest­ge­setz­ten Flä­chen die­nen, son­dern mit denen – etwa durch Fest­set­zun­gen mit Schutz, Pfle­ge- und Ent­wick­lungs­zie­len für Natur und Land­schaft – bestimm­te städ­te­bau­li­che Grün­de ver­folgt wer­den [2], sieht das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Raum. Abge­se­hen davon, dass Bepflan­zungs­vor­ga­ben wie alle Fest­set­zun­gen nach § 9 Abs. 1 Bau­GB stets nur aus städ­te­bau­li­chen Grün­den zuläs­sig sind, wider­sprä­che eine sol­che Reduk­ti­on der Aus­nah­me­re­ge­lung dem erklär­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers: Mit sei­nem Gesetz gewor­de­nen Ände­rungs­vor­schlag zum (jet­zi­gen) § 9 Abs. 1 Nr. 25 Bau­GB hat der zustän­di­ge Bun­des­tags­aus­schuss [3] zum Aus­druck gebracht, dass städ­te­bau­li­che Grün­de zur Anord­nung von Bepflan­zungs­vor­ga­ben auf Flä­chen, die nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB für land­wirt­schaft­li­che Nut­zun­gen oder Wald fest­ge­setzt sind und damit der För­de­rung der Land- und Forst­wirt­schaft die­nen sol­len [4], ent­ge­gen der Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes [5] zur Regie­rungs­vor­la­ge [6] gene­rell nicht bestehen; für Wald­flä­chen hat er inso­weit Rege­lungs­mög­lich­kei­ten nach dem Wald­ge­setz als aus­rei­chend angesehen.

Die Fest­set­zung einer „Flä­che für Laub­misch­wald“ kann auch nicht zumin­dest als Kom­bi­na­ti­on von Wald­flä­che und text­li­chen Bepflan­zungs­vor­ga­ben ver­stan­den wer­den, die ihre Rechts­grund­la­ge in § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB i.V.m. § 9 Abs. 1 Nr. 25 oder Nr.20 Bau­GB fin­den könnte.

Zwar schließt das Bau­ge­setz­buch Kom­bi­na­tio­nen oder Über­la­ge­run­gen ver­schie­de­ner Fest­set­zun­gen nach § 9 Abs. 1 Bau­GB nicht aus [7]. Das gilt aber nicht für mit­ein­an­der unver­ein­ba­re Fest­set­zun­gen [8]. Des­we­gen kommt eine Kom­bi­na­ti­on einer Wald­flä­che nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB mit Bepflan­zungs­vor­ga­ben nach § 9 Abs. 1 Nr. 25 Bau­GB wegen der dar­in ent­hal­te­nen Aus­nah­me­re­ge­lung für nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB fest­ge­setz­te Flä­chen von vorn­her­ein nicht in Betracht. Die­se Inkom­pa­ti­bi­li­tät darf durch eine Kom­bi­na­ti­on von Fest­set­zun­gen nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. b Bau­GB mit Bepflan­zungs­vor­ga­ben nach Nr.20 die­ser Vor­schrift nicht umgan­gen wer­den. Das steht einer Kom­bi­na­ti­on von Bepflan­zungs­vor­ga­ben nach den genann­ten Vor­schrif­ten und Flä­chen mit einer hier­mit ver­ein­ba­ren Nut­zungs­art wie ins­be­son­de­re Grün­flä­chen nach § 9 Abs. 1 Nr. 15 Bau­GB nicht ent­ge­gen. Einer sol­chen Mög­lich­keit muss­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof aber nicht nach­ge­hen, weil eine ent­spre­chen­de Aus­le­gung der nach sei­nen bin­den­den Fest­stel­lun­gen ein­deu­ti­gen Fest­set­zung A.03.1 aus­schei­det und deren Ein­ord­nung als „Grün­flä­che mit Bepflan­zungs­bin­dun­gen“ des­we­gen nur im Wege der Umdeu­tung zu errei­chen wäre, die – abge­se­hen von ihrer vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bei Bebau­ungs­plä­nen offen­ge­las­se­nen Zuläs­sig­keit [9] – hier schon im Hin­blick auf die unter­schied­li­chen und abwä­gungs­re­le­van­ten Ent­schä­di­gungs­pflich­ten der jewei­li­gen Flä­chen­fest­set­zun­gen (vgl. § 40 Abs. 1 Nr. 8 und 14 Bau­GB einer­seits und § 41 Abs. 2 Bau­GB ande­rer­seits) nicht in Betracht kommt.

Als Kon­se­quenz der Unwirk­sam­keit der Fest­set­zung der „Flä­che für Laub­misch­wald“ ist auch die Fest­set­zung „Wald­rand“ für unwirk­sam zu erklä­ren, weil letz­te­re als Annex­re­ge­lung not­wen­di­ger­wei­se das recht­li­che Schick­sal der Wald­fest­set­zung teilt.

Die sich auf die Wald- und Wald­rand­flä­chen bezie­hen­den und den Wald­um­bau kon­kre­ti­sie­ren­den text­li­chen Fest­set­zun­gen ist inso­weit eben­falls zu bean­stan­den. Für sie besteht in § 9 Abs. 1 Nr.20 Bau­GB kei­ne Rechts­grund­la­ge, weil die Rea­li­sie­rung die­ser Fest­set­zun­gen auf abseh­ba­re Zeit aus­ge­schlos­sen ist, so dass es an der von § 1 Abs. 3 Satz 1 Bau­GB gefor­der­ten städ­te­bau­li­chen Erfor­der­lich­keit die­ser Rege­lun­gen fehle.

Auch die in den Fest­set­zun­gen ent­hal­te­nen Bepflan­zungs­vor­ga­ben sind wegen feh­len­der Rechts­grund­la­ge für unwirk­sam zu erklä­ren. Dass die ein­zig in Betracht kom­men­de Vor­schrift des § 9 Abs. 1 Nr. 25 Bau­GB bei nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Buchst. a Bau­GB fest­ge­setz­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen kei­ne Anwen­dung fin­det – was auch die Revi­si­on nicht mit einer Sach­rü­ge in Fra­ge gestellt hat, ergibt sich bereits aus dem oben unter 1. Gesag­ten. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sieht auch bei nur punk­tu­el­len Bepflan­zungs­vor­ga­ben (Ein­zel­ge­höl­ze, Orts­rand­be­grü­nung) im Hin­blick auf das mit der Vor­schrift zum Aus­druck gebrach­te Ziel einer unein­ge­schränk­ten För­de­rung der Land- und Forst­wirt­schaft im Fal­le von Flä­chen­fest­set­zun­gen nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Bau­GB weder Anlass noch Recht­fer­ti­gung zu einer Ein­schrän­kung der in § 9 Abs. 1 Nr. 25 Bau­GB ent­hal­te­nen Aus­nah­me­re­ge­lung. Auch sol­che Vor­ga­ben füh­ren wegen der ent­ste­hen­den Flä­chen­ver­lus­te für die land- und forst­wirt­schaft­li­che Nut­zung oder der Erschwer­nis­se für die Bewirt­schaf­tung zu Beein­träch­ti­gun­gen, die dem genann­ten Ziel ent­ge­gen­wir­ken. Ver­folgt der Pla­nungs­trä­ger wie hier land­schafts­ge­stal­te­ri­sche Zie­le, ist ihm der Weg zu Fest­set­zun­gen nach § 9 Abs. 1 Nr. 18 Bau­GB ver­sperrt. Er ist dar­auf ver­wie­sen, die betrof­fe­nen Flä­chen teil­wei­se oder ins­ge­samt für eine Nut­zung etwa als Grün­flä­che oder Flä­che nach § 9 Abs. 1 Nr.20 Bau­GB aus­zu­wei­sen und auf die­ser Grund­la­ge Bepflan­zungs­vor­ga­ben nach Nr.20 oder 25 der genann­ten Vor­schrift festzusetzen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. Juni 2014 – 4 CN 4.2013 -

  1. Gaent­zsch, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum Bau­GB, Stand Mai 2014, § 9 Rn. 47; aus­drück­lich offen­ge­las­sen im Beschluss vom 17.12 1998 – 4 NB 4.97 10[]
  2. so Gaent­zsch, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum Bau­GB, Stand Mai 2014, § 9 Rn. 67; vgl. auch Mitschang/​Reidt, in: Battis/​Krautzberger/​Löhr, 12. Aufl.2014, § 9 Rn. 152[]
  3. BT-Drs. 7/​4793 S. 28[]
  4. vgl. zu die­sem Erfor­der­nis bereits Urteil vom 14.07.1972 – 4 C 8.70, BVerw­GE 40, 258, 262 f.[]
  5. BT-Drs. 7/​2496 S. 70[]
  6. BT-Drs. 7/​2496 S. 40; vgl. auch S. 84[]
  7. BVerwG, Beschluss vom 02.04.2008 – 4 BN 6.08 – BRS 73 Nr.20[]
  8. vgl. auch Söf­ker, in: Ernst/​Zinkahn/​Bielenberg/​Krautzberger, Bau­GB, Stand Janu­ar 2014, § 9 Rn. 14 m.w.N.[]
  9. BVerwG, Urteil vom 27.10.2011 – 4 CN 7.10, Buch­holz 406.11 § 9 Bau­GB Nr. 105 Rn.20[]