Schwei­ne­ge­stank mit Zwiebelgeruch?

Zwie­beln zäh­len nicht zu den geruchs­in­ten­si­ven Fut­ter­mit­teln, weil es sich um unbe­han­del­te, nicht in Ver­we­sung befind­li­che pflanz­li­che Roh­stof­fe han­delt. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren die von der Stadt Osna­brück gegen einen Land­wirt ange­droh­ten Zwangs­maß­nah­men wegen Ver­füt­te­rung von Zwie­beln an Schwei­ne für unzu­läs­sig erklärt.

Schwei­ne­ge­stank mit Zwiebelgeruch?

Dem Antrag eines Land­wir­tes, der sich gegen Zwangs­maß­nah­men wegen der Ver­füt­te­rung von Zwie­beln an sei­ne Schwei­ne gewen­det hat­te, ist statt­ge­ge­ben wor­den. Die Stadt Osna­brück hat­te dem Land­wirt auf Beschwer­den aus der Nach­bar­schaft über Beläs­ti­gun­gen durch Gerü­che durch sofort voll­zieh­ba­re Beschei­de Zwangs­gel­der ange­droht und ein Zwangs­geld in Höhe von 2.500 € schließ­lich auch fest­ge­setzt. Der Land­wirt ver­füt­tert seit 14 Jah­ren wöchent­lich meh­re­re Kubik­me­ter unbe­han­del­te Zwie­beln an sei­ne Schwei­ne. Der Bau­ge­neh­mi­gung für den Schwei­ne­stall zufol­ge dür­fen „geruchs­in­ten­si­ve Fut­ter­mit­tel, z.B. Küchen­ab­fäl­le“ nicht ver­wen­det wer­den. Die Stadt ist der Auf­fas­sung, durch die Ver­füt­te­rung der Zwie­beln set­ze er unzu­läs­si­ger­wei­se geruchs­in­ten­si­ve Fut­ter­mit­tel ein.

Die­ser Auf­fas­sung ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück nicht. Es hat in sei­nem Beschluss die auf­schie­ben­de Wir­kung des Wider­spruchs des Land­wir­tes gegen die Zwangs­maß­nah­men ange­ord­net. Zur Begrün­dung führ­te es aus, die Stadt habe, ohne wei­te­re Bele­ge hier­für zu haben, ange­nom­men, durch die Ver­füt­te­rung von Zwie­beln ver­sto­ße der Land­wirt gegen das Ver­bot, geruchs­in­ten­si­ve Fut­ter­mit­tel zu nut­zen. Die­se schlich­te Behaup­tung recht­fer­ti­ge nicht die aus­ge­spro­che­nen Zwangs­maß­nah­men, weil die Stadt ent­ge­gen der ihr von Geset­zes wegen auf­er­leg­ten Ver­pflich­tung nicht geklärt habe, ob es sich bei Zwie­beln tat­säch­lich um geruchs­in­ten­si­ve Fut­ter­mit­tel handele. 

Für eine sol­che Zuord­nung gebe es auf­grund der bis­he­ri­gen behörd­li­chen Ermitt­lun­gen kei­ne begrün­de­ten Anhalts­punk­te. Viel­mehr spre­che die im Ver­fah­ren ein­ge­hol­te Stel­lung­nah­me eines Sach­ver­stän­di­gen für Immis­si­ons­schutz­fra­gen eher dafür, dass Zwie­beln nicht zu den geruchs­in­ten­si­ven Fut­ter­mit­teln zähl­ten, weil es sich um unbe­han­del­te, nicht in Ver­we­sung befind­li­che pflanz­li­che Roh­stof­fe han­de­le. Es sei auch nicht erkenn­bar, dass es durch die jeweils kurz­zei­ti­ge Lage­rung von bis zu 5 m³ Zwie­beln auf der Hof­s­tel­le zu unzu­mut­ba­ren Geruchsim­mis­sio­nen in den benach­bar­ten Berei­chen komme.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Beschluss vom 1. Dezem­ber 2011 – 2 B 15/​11 /​2 B 20/​11