Pflan­zen­schutz­mit­tel – und das Zulassungserfordernis

Nach der Vor­schrift des § 11 Abs. 1 Satz 1 PflSchG aF, die der Umset­zung des Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 91/​414/​EWG über das Inver­kehr­brin­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln dien­te, durf­ten Pflan­zen­schutz­mit­tel in der For­mu­lie­rung, in der die Abga­be an den Ver­wen­der vor­ge­se­hen ist, nur in den Ver­kehr gebracht wer­den, wenn sie vom BVL zuge­las­sen waren.

Pflan­zen­schutz­mit­tel – und das Zulassungserfordernis

Als zuge­las­sen galt nach § 11 Abs. 1 Satz 2 PflSchG aF auch ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, für das die Ver­kehrsfä­hig­keit nach § 16c PflSchG aF fest­ge­stellt war. Gemäß § 16c Abs. 1 Satz 1 PflSchG aF durf­te ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das in einem ande­ren Mit­glied­staat oder einem Ver­trags­staat des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum zuge­las­sen war und mit einem in Deutsch­land zuge­las­se­nen Pflan­zen­schutz­mit­tel über­ein­stimm­te, nur ein­ge­führt und in den Ver­kehr gebracht wer­den, wenn der­je­ni­ge, der das Mit­tel ein­füh­ren oder in Ver­kehr brin­gen woll­te, zuvor beim BVL die Fest­stel­lung der Ver­kehrsfä­hig­keit bean­tragt und das BVL die­se Fest­stel­lung getrof­fen hatte.

Die dabei vor­aus­ge­setz­te Über­ein­stim­mung des par­al­lel­ein­zu­füh­ren­den Pflan­zen­schutz­mit­tels (Import­mit­tel) mit dem ent­spre­chen­den zuge­las­se­nen Pflan­zen­schutz­mit­tel (Refe­renz­mit­tel) lag, wie sich aus § 16c Abs. 2 Satz 1 PflSchG aF ergab, vor, wenn das par­al­lel­ein­zu­füh­ren­de Pflan­zen­schutz­mit­tel die glei­chen Wirk­stof­fe in ver­gleich­ba­rer Men­ge mit ent­spre­chen­dem Min­dest­rein­heits­grad und mit bestimm­ten Ver­un­rei­ni­gun­gen glei­cher Art sowie ent­spre­chen­dem Höchst­ge­halt ent­hielt wie das Refe­renz­mit­tel (Nr. 1) und mit die­sem in Zusam­men­set­zung und Beschaf­fen­heit über­ein­stimm­te (Nr. 2).

Eine ver­gleich­ba­re Men­ge des Wirk­stoffs im Sin­ne des § 16c Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 PflSchG aF lag gemäß § 1c Abs. 3 der am 23.01.2013 außer Kraft getre­ten Ver­ord­nung über Pflan­zen­schutz­mit­tel und Pflan­zen­schutz­ge­rä­te (Pflan­zen­schutz­mit­tel­ver­ord­nung – PflSchMGV) vor, soweit sich der ange­ge­be­ne Wirk­stoff­ge­halt des ein­zu­füh­ren­den Mit­tels nicht von dem Wirk­stoff­ge­halt des Refe­renz­mit­tels unter­schied (Nr. 1) oder bei der ana­ly­ti­schen Bestim­mung des Wirk­stoff­ge­halts die in Anhang – VI Teil C der am 13.06.2011 außer Kraft getre­te­nen Richt­li­nie 91/​414/​EWG unter der Num­mer 2.07.2 Buch­sta­be a in der jeweils gel­ten­den Fas­sung genann­ten Kri­te­ri­en ein­ge­hal­ten wur­den (Nr. 2). Nach § 1c Abs. 4 PflSchMGV aF war eine Über­ein­stim­mung in Zusam­men­set­zung und Beschaf­fen­heit im Sin­ne des § 16c Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 PflSchG aF gege­ben, wenn bei­de Mit­tel in der For­mu­lie­rungs­art über­ein­stimm­ten (Nr. 1) und qua­li­ta­ti­ve oder quan­ti­ta­ti­ve Unter­schie­de in den Bei­stof­fen nicht zu Unter­schie­den im Hin­blick auf die bio­lo­gi­sche Wirk­sam­keit, die Aus­wir­kun­gen auf die zu behan­deln­den Pflan­zen oder die Aus­wir­kun­gen auf Mensch, Tier oder Natur­haus­halt führ­ten (Nr. 2).

An einer sol­chen Über­ein­stim­mung fehl­te es nach § 1c Abs. 5 PflSchMGV aF ins­be­son­de­re dann, wenn ein nicht bewer­te­ter Bei­stoff oder eine nicht bewer­te­te Bei­stoff­sub­stanz vor­lag (Nr. 1), Bei­stoff­sub­stan­zen mit wesent­li­cher Funk­ti­on fehl­ten (Nr. 2), unter­schied­li­che Nomi­nal­kon­zen­tra­tio­nen von Bei­stof­fen mit wesent­li­cher Funk­ti­on vor­la­gen (Nr. 3), Bei­stoff­sub­stan­zen vor­la­gen, die toxi­scher oder öko­to­xi­scher sind als die des Refe­renz­mit­tels oder die für die Wirk­sam­keit oder die Sta­bi­li­tät ungüns­ti­ger waren als die des Refe­renz­mit­tels (Nr. 4), oder Bei­stof­fe fehl­ten, die dem Anwen­der­schutz dien­ten oder zum Schutz Drit­ter Anwen­dung fan­den (Nr. 5).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Juni 2015 – I ZR 226/​13