Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge für die Klärschlammvergärung

Nach § 2 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 1 des Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­ge­set­zes (InvZu­lG) 1999 sind begüns­tig­te Inves­ti­tio­nen die Anschaf­fung und Her­stel­lung von neu­en abnutz­ba­ren beweg­li­chen Wirt­schafts­gü­tern des Anla­ge­ver­mö­gens, die min­des­tens fünf Jah­re in Betrie­ben des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes ver­blei­ben, sofern wei­te­re, hier nicht strei­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind.

Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge für die Klärschlammvergärung

Der Begriff des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes bestimmt sich nach der vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt her­aus­ge­ge­be­nen Klas­si­fi­ka­ti­on der Wirt­schafts­zwei­ge (WZ). Der Gesetz­ge­ber hat die Maß­geb­lich­keit der WZ zwar erst­mals durch § 3 Abs. 1 Satz 2 InvZu­lG 2010 aus­drück­lich ange­ord­net. Der Begriff des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes rich­tet sich im Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­recht aber auch für frü­he­re Geset­zes­fas­sun­gen nach der für das jewei­li­ge Kalen­der­jahr gel­ten­den Klas­si­fi­ka­ti­on [1], im Streit­fall also nach der WZ 1993.

Die Unter­klas­se „Recy­cling von sons­ti­gen Alt­ma­te­ria­li­en und Rest­stof­fen“ (Unter­klas­se 37.20.5 WZ 1993) umfasst die Ver­ar­bei­tung von sons­ti­gen nicht­me­tal­li­schen Alt­ma­te­ria­li­en, Rest­stof­fen sowie gebrauch­ten und unge­brauch­ten nicht­me­tal­li­schen Erzeug­nis­sen zu Sekun­där­roh­stof­fen. Kenn­zeich­nend hier­für ist, dass der Input aus sor­tier­ten oder unsor­tier­ten Alt­ma­te­ria­li­en und Rest­stof­fen besteht, in jedem Fall aber unge­eig­net für die wei­te­re direk­te Ver­wen­dung in einem indus­tri­el­len Ver­ar­bei­tungs­pro­zess ist, wäh­rend der Out­put für die wei­te­re Ver­ar­bei­tung auf­be­rei­tet wur­de und dann als Zwi­schen­er­zeug­nis gilt. Hier­für ist ein mecha­ni­scher oder che­mi­scher Ver­ar­bei­tungs­pro­zess erfor­der­lich (Klas­si­fi­ka­ti­on der Wirt­schafts­zwei­ge 1993 mit Erläu­te­run­gen, 2. unver­än­der­ter Nach­druck, S. 273). Ent­schei­dend für die Annah­me eines Recy­clings ist, ob das her­ge­stell­te Erzeug­nis dazu bestimmt ist, in einem indus­tri­el­len Her­stel­lungs­pro­zess dahin­ge­hend wei­ter ver­wen­det zu wer­den, dass es in einem neu­en Pro­dukt auf­geht bzw. zu des­sen Bestand­teil wird [2]. Auf die Vor­schrif­ten des deut­schen Abfall­wirt­schafts­rechts und die hier­zu ergan­ge­ne Recht­spre­chung natio­na­ler Ver­wal­tungs­ge­rich­te kommt es hin­ge­gen nicht an [3].

Die Ver­gä­rung von Klär­schlamm und Bio­ab­fall ist kein Recy­cling im vor­ge­nann­ten Sinn. Das dabei gewon­ne­ne Methan ist gera­de nicht als Zwi­schen­er­zeug­nis zur wei­te­ren Ver­ar­bei­tung zu einem neu­en Pro­dukt, son­dern zur Ver­bren­nung bestimmt. Es wird nicht das Methan selbst, son­dern nur die durch die Ver­bren­nung frei­ge­setz­te Ener­gie genutzt [4]. Das Glei­che gilt für die Rest­stof­fe als Ersatzbrennstoff.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Juli 2015 – III R 34/​14

  1. BVerfG, Beschluss vom 31.05.2011 – 1 BvR 857/​07, BVerfGE 129, 1, unter B.I. 3.; BFH, Urtei­le vom 22.09.2011 – III R 64/​08, BFHE 236, 168, BStBl II 2012, 358, Rz 12 ff.; vom 22.12 2011 – III R 1/​10, BFH/​NV 2012, 1654, Rz 10 ff.; vom 26.07.2012 – III R 43/​11, BFH/​NV 2013, 86, Rz 13[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 16.04.2013 – VII R 25/​11, BFHE 242, 372, Rz 17, zu der WZ 2003[]
  3. BFH, Beschluss vom 04.03.2013 – III B 124/​12, BFH/​NV 2013, 986, Rz 9[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 242, 372, Rz 18; BFH, Beschluss vom 14.11.2013 – VII B 170/​13, BFH/​NV 2014, 387, Rz 12; FG Ham­burg, Urteil vom 23.03.2015 – 4 K 90/​13, jeweils zu WZ 2003[]