Geschäfts­füh­rer­haf­tung für Umweltschäden

Die Haf­tung für Boden­ver­seu­chun­gen trifft im Regel­fall die Ver­ur­sa­cher, evtl. auch die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer. Doch es kann auch den Geschäfts­füh­rer der scha­dens­ver­ur­sa­chen­den GmbH per­sön­lich tref­fen, wie sich jetzt in 21 vom Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg ent­schie­de­nen Ver­fah­ren zeigte.

Geschäfts­füh­rer­haf­tung für Umweltschäden

In den Ver­fah­ren vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg ging es um vom Land­rat des Hoch­sauer­land­krei­ses ein­ge­lei­te­te boden­schutz­recht­li­chen Maß­nah­men für Grund­stü­cke in Bri­lon-Schar­fen­berg, die mit PFT ver­seucht waren.

Bei PFT han­delt es sich um nicht natür­lich vor­kom­men­de per­flu­o­rier­te Ten­si­de. Die­se indus­tri­ell her­ge­stell­ten Sub­stan­zen wer­den vor allem in der Tex­til­in­dus­trie (Pro­duk­ti­on atmungs­ak­ti­ver Stof­fe), in der Papier­in­dus­trie (Her­stel­lung fett- und was­ser­ab­wei­sen­den Papiers) sowie für Schmier- und Imprä­gnier­mit­tel benö­tigt. Sie sind für Mensch und Tier toxisch und als lang­le­bi­ge orga­ni­sche Schad­stof­fe ein­ge­stuft. In nor­ma­len Klär­an­la­gen wer­den sie dem Abwas­ser nicht entzogen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg hielt jetzt den Geschäfts­füh­rer der Fir­men, die für die PFT-Belas­tung der Grund­stü­cke ver­ant­wort­lich sind, und die Päch­te­rin die­ser Flä­chen für grund­sätz­lich ver­pflich­tet, die Umwelt­schä­den auf ihre Kos­ten zu besei­ti­gen. Ein Teil der ihrer Besei­ti­gung die­nen­den Maß­nah­men war aller­dings nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts rechts­wid­rig und ist daher auf­ge­ho­ben wor­den. Das ergibt sich aus den jetzt ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Arns­berg vom 22. Juni 2009. Mit die­sen Urtei­len und Beschlüs­sen hat das Gericht die juris­ti­sche Auf­ar­bei­tung der 21 Kla­ge­ver­fah­ren abgeschlossen.

Die Kla­ge des Geschäfts­füh­rers der bei­den seit län­ge­rem zah­lungs­un­fä­hi­gen Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung gegen sei­ne per­sön­li­che Ver­pflich­tung, das Gelän­de in Bri­lon-Schar­fen­berg zu sanie­ren, hat das Gericht abge­wie­sen. Sei­ne Gegen­ar­gu­men­te hat­ten vor den Arns­ber­ger Ver­wal­tungs­rich­tern kei­nen Erfolg.

Die Rich­ter waren davon über­zeugt, dass die PFT-Belas­tung der Möh­ne und vor allem des Was­ser­werks „Möh­ne­bo­gen“ bei Arns­berg-Neheim unmit­tel­bar kau­sal auf die Belas­tung der Flä­chen in Schar­fen­berg zurück­zu­füh­ren ist. Die­se hat wie­der­um ihre Ursa­che in der Auf­brin­gung ver­meint­li­cher Boden­ver­bes­se­rer, die mit Klär­schläm­men und wei­te­ren Indus­trie­ab­fäl­len aus Bel­gi­en, u.a. aus der Tex­til- und Papier­her­stel­lung, ver­mischt waren. Die dadurch ver­ur­sach­ten Boden­ver­än­de­run­gen waren auch schäd­lich im Sin­ne des Bun­des­bo­den­schutz­ge­set­zes; das Feh­len eines Grenz­wer­tes für PFT steht dem nicht ent­ge­gen. Der Geschäfts­füh­rer der Lie­fer­fir­men war auch per­sön­lich als Ver­ur­sa­cher ver­ant­wort­lich. Gegen die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der ange­ord­ne­ten Maß­nah­men hat­te das Gericht eben­falls kei­ne durch­grei­fen­den Beden­ken. Dies gilt auch für den fest­ge­leg­ten Sanie­rungs­ziel­wert von 0,1 Mikro­gramm je Liter. Der Beklag­te habe auch sein Ermes­sen feh­ler­frei aus­ge­übt, wenn­gleich er im Jah­re 2006 erkenn­bar unter einem beträcht­li­chen Erwar­tungs­druck aus Poli­tik und Öffent­lich­keit gestan­den habe. Mit die­sem Urteil hat das Gericht eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung im Eil­ver­fah­ren bestä­tigt [1].

Die Kla­ge der Fir­ma, wel­che die Flä­chen zur Anle­gung von Weih­nachts­baum­kul­tu­ren gepach­tet hat­te, hat­te hin­ge­ge­gen Erfolg. Das Gericht hat die Ord­nungs­ver­fü­gung des Beklag­ten vom Febru­ar 2007 auf­ge­ho­ben, mit der er die Päch­te­rin durch eine Viel­zahl ein­zel­ner Anord­nun­gen auf­ge­for­dert hat­te, die wei­te­re Sanie­rung der Grund­stü­cke zu ver­an­las­sen und eine wei­te­re Belas­tung des Grund­was­sers und des Trink­was­sers zu unter­bin­den. Zwar sei auch der Päch­ter als Inha­ber der tat­säch­li­chen Gewalt grund­sätz­lich sanie­rungs­ver­pflich­tet. Mit dem Grund­satz der Gleich­be­hand­lung sei es jedoch nicht zu ver­ein­ba­ren, dass bei ansons­tem glei­chen Sach­ver­halt der Päch­ter PFT-belas­te­ter Flä­chen im Kreis Soest nur 13 % der Sanie­rungs­kos­ten zu zah­len habe. Die­se Ungleich­be­hand­lung las­se sich weder mit unter­schied­li­chen Behör­den­zu­stän­dig­kei­ten noch aus ande­ren Grün­den recht­fer­ti­gen [2].

Auf­ge­ho­ben hat das Gericht auch einen wei­te­ren Bescheid, mit dem der Land­rat vom Geschäfts­füh­rer der Lie­fer­fir­men Vor­aus­zah­lun­gen auf die vor­aus­sicht­li­chen Kos­ten der Sanie­rung in Höhe von etwa 2,5 Mil­lio­nen EUR ver­langt hat­te. Maß­ge­bend hier­für waren ver­schie­de­ne beson­de­re Vor­schrif­ten des Voll­stre­ckungs­rechts. Im Hin­blick auf einen Teil der Kos­ten fehl­te es an der not­wen­di­gen Fest­set­zung des Zwangs­mit­tels, teil­wei­se schie­den Vor­aus­leis­tun­gen aus, weil die Maß­nah­men bereits durch­ge­führt waren und die tat­säch­li­chen, durch Rech­nun­gen beleg­ten Kos­ten hät­ten abge­rech­net wer­den müs­sen, teil­wei­se ging es um Kos­ten, die der Beklag­te selbst erst in eini­gen Jah­ren zu tra­gen hat [3].

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urtei­le vom 22. Juni 2009 – 14 K 1699/​08, 14 K 2826/​08, 14 K 3437/​08 u.a.

  1. Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom 22. Juni 2009 – 14 K 1699/​08[]
  2. Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom 22. Juni 2009 – 14 K 2826/​08[]
  3. Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom 22. Juni 2009 – 14 K 3437/​08[]