Fairer Handel – und der Umweltschutz

In unserer Wirtschaftswelt erleben wir die wirtschaftliche Entwicklung und den Umweltschutz oftmals als Antipode und sind in der Wahrnehmung oftmals fixiert auf ein Entweder-oder: Entweder gut für die Wirtschaft oder gut für den Umweltschutz.

Fairer Handel - und der Umweltschutz

Dass diese Betrachtungsweise falsch ist, haben wir hier in der Umweltlupe immer wieder betont. Ganz besonders zeigt sich dies auch beim Fairtrade, dem “faire Handel”. Fairtrade strebt nach einer Handelspartnerschaft, nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel, und will so einen Beitrag für eine nachhaltige positive Entwicklung in den Erzeugerländern leisten. Dabei hat die Fairtrade-Bewegung verstanden, dass eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung nur möglich ist, wenn die Sicherheit und Gesundheit der in der landwirtschaftlichen Produktion Beschäftigten gesichert und gleichzeitig die ökologischen Ressourcen auch in den Erzeugerländern bewahrt werden. Daher haben sich in der Fairtrade-Bewegung bereits frühzeitig Umweltstandards etabliert, die von nahezu allen wichtigen Fairtrade-Produzenten eingefordert werden. So wird von den Fairtrade-Organisationen der Einsatz von Agrochemikalien weitestmöglich begrenzt und über eine Liste verbotener Substanzen (die FLO-Liste) diejenen Mittel gebannt, die von den in den Fairtrade-Handel einbezogenen Produzenten weder verkauft noch verwendet werden dürfen.

Konkret bedeuten die im Fairtrade-Handel allgemein akzeptierten Umweltstandards u.a.

  • den Verbot gentechnisch manipulierten Saatguts,
  • den Erhalt der Biodiversität nicht nur in Naturschutzgebieten und in sonstigen Gebieten mit einem hohen ökologischen Erhaltungswert, verstanden als Maßnahme zur Absicherung der Erzeuger gegen die negativen Folgen des Klimawandels,
  • die Etablierung eines integrierten Schädlingsmanagements, um den Einsatz von Pestiziden weitestmöglich zugunsten alternativer Schädlingsbekämpfungsmethoden zu minimieren sowie
  • die Etablierung und Stärkung von Wasserschutz und Bodenschutz – zum Schutz der Produktionsgrundlagen der Bauern.

 

https://www.youtube.com/watch?v=y4MZ-XdPhfY&list=PLrJ57fSkPxcf6vP0MRCfi2s47FxCn7oxt

 

Der Gedanke des Umweltschutzes schlägt sich dabei auch regelmäßig im Einkommen der teilnehmenden Bauern und Produzenten nieder, denn der von den Fairtrade-Organisationen garantierte Abnahmepreis enthält als eine Preiskomponente regelmäßig auch einen Bioaufschlag, mit dem die Umstellung auf einen Biolandbau gefördert und der bei Erfüllung der entsprechenden Kriterien gezahlt wird.

Dass die Fairtrade-Organisationen mit diesem Konzept erfolgreich sind, bescheinigte ihnen auch die Weltbank in einer im Jahr 2003 erstellten Studie zu nachhaltigen Kaffeemärkten. In dieser Studie (“The State of Sustainable Coffee“) erkannte die Weltbank an, dass u.a. fairer, nachhaltig gehandelter Kaffee “can provide such benefits as improved natural resource management; fewer agrochemicals used in production, which decreases costs and health risks; and increased use of rural labor, which provides more jobs for those in desperate need.”

Natürlich ist auch Fairtrade immer wieder der Kritik ausgesetzt. Insbesondere wird der Fairtrade-Bewegung vorgehalten, sie reflektiere ein überkommenes landwirtschaftliches Idyll, in dem die Farmen klein und familienbetrieben sein müssen und moderne Agrartechnologien – von der Mechanisierung über chemische Pflanzenschutzmittel bis zur Gentechnik – nach Möglichkeit vernachlässigt würden.

Aber abgesehen davon, dass unsere westliche, industrialisierte Landwirtschaft auch immer kritischer gesehen wird, stellt diese Kritik die intendierten Folgen der Fairtrade-Bewegung doch spotmäßig heraus: die Bewahrung einer familienbetriebenen Landwirtschaft, die Bewahrung regionaler kultureller Identitäten, die Bewahrung der Natur.

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal im Laden vor dem Schokoladen-Regal stehen oder wenn Sie wieder Durst auf Kaffe verspüren.

Und wenn Sie noch weitere Informationen zum Fairtrade suchen, schauen Sie einmal in das Internetangebot des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zum Fairtrade. Dort finden Sie noch eine Vielzahl von Informationen und weiterführenden Links zum Fairen Handel.

Dann schmeckt die nächste Schokolade gleich besser…