Elek­troG­KostV nichtig?

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach hat­te im Rah­men einer Anfech­tungs­kla­ge gegen einen Kos­ten­be­scheid der Stif­tung Elek­tro-Alt­ge­rä­te Regis­ter (EAR), mit dem Gebüh­ren für die Regis­trie­rung eines Her­stel­lers nach dem Elek­troG und für eine erfor­der­li­che Garan­tie­prü­fung erho­ben wur­den, in jetzt bekannt gewor­de­nen Urteil ent­schie­den, dass die vom Bundesministerium
für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit erlas­se­ne Elek­tro- und Elek­tronik­ge­rä­te-Kos­ten­ver­ord­nung (Elek­troG­KostV) vom 6. Juli 2005, auf die die Gebüh­ren­er­he­bung gestützt war, kei­ne wirk­sa­me Rechts­grund­la­ge hier­für dar­stellt. Die­se Ent­schei­dung hat über­re­gio­na­le Bedeu­tung, da das Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach wegen des Sit­zes der für das gesam­te Bun­des­ge­biet zustän­di­gen Beklag­ten in Fürth das ein­zig erst­in­stanz­li­che Gericht für die­se rela­tiv neue Rechts­ma­te­rie ist. 

Elek­troG­KostV nichtig?

Der Gesetz­ge­ber hat mit Erlass des Elek­tro­ge­set­zes alle Her­stel­ler, die ent­spre­chen­de Gerä­te auf den Markt brin­gen ver­pflich­tet, sich an der Ent­sor­gung bzw. den Kos­ten der Ent­sor­gung zu betei­li­gen. Der Voll­zug die­ses Geset­zes wur­de der Stif­tung Elek­tro-Alt­ge­rä­te Regis­ter (EAR) mit Sitz in Fürth über­tra­gen, die von den Her­stel­lern für ihre Amts­hand­lun­gen Gebüh­ren auf der Grund­la­ge der vom Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um erlas­se­nen Elek­troG­KostV erho­ben hat. Die­se Rechts­grund­la­ge für die Gebüh­ren­er­he­bung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach in sei­nem aktu­el­len Urteil nun für unwirk­sam erklärt.

Maß­geb­li­che Grün­de für das Gericht waren, dass

  1. die EAR im Ergeb­nis nicht wie erfor­der­lich eine prüf­fä­hi­ge Gebüh­ren­kal­ku­la­ti­on vor­ge­legt hat, ins­be­son­de­re die Beträ­ge der durch Gebüh­ren umzu­le­gen­den Per­so­nal- und Sach­kos­ten­ar­ten nicht ange­ge­ben hat, wobei sie sich in die­sem Zusam­men­hang unzu­läs­sig auf Geschäfts­ge­heim­nis­se der EAR beru­fen hat, so dass eine sach­ge­rech­te gericht­li­che Prü­fung gar nicht mög­lich war,
  2. in die Gebüh­ren­kal­ku­la­ti­on bei der Auf­wands­er­mitt­lung bestimm­te Kos­ten­ar­ten ein­ge­stellt wur­den, obwohl die­se nicht gebüh­ren­fä­hig sind, weil sie bei Beach­tung der Funk­ti­on der EAR als Gemein­sa­me Stel­le nach dem Elek­troG – einer­seits als mit Auf­ga­ben nach dem Elek­troG öffent­lich-recht­lich Belie­he­ner und ande­rer­seits als pri­vat­recht­li­che Stif­tung – nicht dem belie­he­nen Bereich zuge­rech­net wer­den können,
  3. wei­ter zwei­fel­haft ist, ob der ange­setz­te Auf­wand, soweit er den Ersatz­an­spruch der Gemein­sa­men Stel­le gegen die Belie­he­ne nach § 14 Abs. 10 Elek­troG betrifft, gebüh­ren­fä­hig ist und
  4. ver­schie­de­ne Kos­ten­po­si­tio­nen des Per­so­nal- und Sach­auf­wands nicht in vol­lem Umfang, son­dern nur ent­spre­chend der Zurech­nung zu den Auf­ga­ben der Belie­he­nen antei­lig ange­setzt wer­den dürfen.

    Dem­zu­fol­ge wur­de der Gebüh­ren­be­scheid auf­ge­ho­ben, da er in der Elek­troG­KostV kei­ne wirk­sa­me Rechts­grund­la­ge findet.

    Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach hat wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung die Beru­fung zum Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen zugelassen.

    Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach, Urteil vom 29. Okto­ber 2008 – AN 11 K 08.01161