Die Schad­stoff­pla­ket­te – und die Fach­kun­de der Autoglaserei

Eine KFZ-Gla­se­rei darf auch nach dem Tausch einer Front­schei­be auf der Aus­tausch­schei­be kei­ne Schad­stoff­pla­ket­ten anbringen.

Die Schad­stoff­pla­ket­te – und die Fach­kun­de der Autoglaserei

In dem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall ziel­te ein bun­des­weit täti­ges Auto­g­la­serei­un­ter­neh­men mit ihrer Kla­ge auf eine Ände­rung der 35. Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ver­ord­nung (35. BImschVO).

Die 35. BIm­sch­VO regelt Umfang und Aus­nah­men von Ver­kehrs­ver­bo­ten, indem Kraft­fahr­zeu­ge bestimm­ten Schad­stoff­grup­pen zuge­ord­net wer­den. Zur Kenn­zeich­nung der Kraft­fahr­zeu­ge sind nicht wie­der­ver­wend­ba­re, auf der Front­schei­be anzu­brin­gen­de Pla­ket­ten vor­ge­schrie­ben. Bei einem etwai­gen Aus­tausch der Schei­be muss eine neue Pla­ket­te ange­bracht wer­den. Hier­zu sind nur KFZ-Zulas­sungs­stel­len und sol­che Kfz-Werk­stät­ten berech­tigt, die als Stel­len für die Durch­füh­rung von Abgas­un­ter­su­chun­gen aner­kannt sind. Ande­re Repa­ra­tur­be­trie­be – wie die KFZ-Gla­se­rei – müs­sen hier­für die zuge­las­se­nen Aus­ga­be­stel­len in Anspruch neh­men. Wäh­rend ein Pla­ket­ten­roh­ling etwa 50 Cent kos­tet, ent­ste­hen der KFZ-Gla­se­rei für die der­ar­ti­ge Beschaf­fung der Pla­ket­te Kos­ten in Höhe von etwa 5,- Euro pro Repa­ra­tur. Sie hält dies mit Blick auf 400.000 von ihr im Jahr 2012 vor­ge­nom­me­ne Wind­schutz­schei­ben­re­pa­ra­tu­ren für einen unge­recht­fer­tig­ten Wett­be­werbs­nach­teil; jähr­lich ent­stün­den so Kos­ten in Höhe von ca. 1,7 Mil­lio­nen Euro. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat die Kla­ge abgewiesen:

Die Kla­ge sei als so genann­te Norm­er­lass­kla­ge zuläs­sig, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, aber unbe­grün­det. Durch die Belei­hung der aner­kann­ten Stel­len zur Abgas­un­ter­su­chung mit der Aus­ga­be von Fein­staub­pla­ket­ten wer­de nicht in ihre Berufs­frei­heit ein­ge­grif­fen. Die Klas­si­fi­zie­rung der Schad­stoff­grup­pe eines Kraft­fahr­zeugs und die damit ver­bun­de­ne Aus­ga­be einer Pla­ket­te gehör­ten nicht zum Berufs­bild eines Auto­g­la­se­rei­be­trie­bes. Auch mit­tel­bar sei sie nur mar­gi­nal betrof­fen. Ange­sichts der Gesamt­kos­ten eines Wind­schutz­schei­ben­aus­tauschs stel­le eine Kos­ten­er­hö­hung um weni­ge Euro eine ver­gleichs­wei­se gering­fü­gi­ge Belas­tung dar. Die Ungleich­be­hand­lung der Auto­g­la­se­rei­be­trie­be gegen­über den für Abgas­un­ter­su­chun­gen aner­kann­ten Stel­len sei durch sach­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt. Zwar erfol­ge die Zuord­nung von Kraft­fahr­zeu­gen zur jewei­li­gen Schad­stoff­grup­pe im Regel­fall rein sche­ma­tisch anhand der emis­si­ons­be­zo­ge­ne Schlüs­sel­num­mer im Kraft­fahr­zeug­schein. Es gebe aber Aus­nah­me­fäl­le, in denen die Zuord­nung kom­pli­ziert sei und emis­si­ons­spe­zi­fi­sche Sach­kun­de erfor­de­re. Anders als Auto­g­la­se­rei­be­trie­be ver­füg­ten die zur Abgas­un­ter­su­chung zuge­las­se­nen Stel­len über die­se Sachkunde. 

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 21. April 2016 – 10 K 296.13