Das nord­rhein-west­fä­li­sche Wasserentnahmeentgelt

Die Er­he­bung von Was­ser­ent­nah­me­ent­gelt nach dem nor­d­rhein-wes­t­­fä­­li­­schen Lan­des­recht ist für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht zu beanstanden.

Das nord­rhein-west­fä­li­sche Wasserentnahmeentgelt

Das Land Nord­rhein-West­fa­len erhebt das Ent­gelt u.a. für die Ent­nah­me von Grund- und Ober­flä­chen­was­ser, soweit die Ent­nah­me nach dem Was­ser­haus­halts­ge­setz erlaub­nis­pflich­tig ist. Die Erlaub­nis­pflicht gilt von engen Aus­nah­men abge­se­hen auch für den jewei­li­gen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer. Das Ent­gelt beträgt regel­mä­ßig 4,5 Cent je Kubik­me­ter. Seit 2011 setzt die Ent­gelt­er­he­bung nicht mehr vor­aus, dass das ent­nom­me­ne Was­ser einer wirt­schaft­li­chen Nut­zung zuge­führt wird. Ent­fal­len ist eben­so die frü­he­re Ent­gelt­be­frei­ung bei der Gewin­nung von Boden­schät­zen (soge­nann­tes Berg­bau­pri­vi­leg). Für die Kühl­was­ser­nut­zung gilt dage­gen nach wie vor ein ermä­ßig­ter Entgeltsatz.

Die Klä­ge­rin des ers­ten der bei­den jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren [1] nutzt zur Kies­wä­sche Was­ser aus einem Bag­ger­see, der über­wie­gend durch Kies­ge­win­nung auf in ihrem Eigen­tum ste­hen­den Grund­stü­cken ent­stan­den ist. Sie ver­tritt die Auf­fas­sung, die Erhe­bung von Was­ser­ent­nah­me­ent­gelt für Ent­nah­men aus die­sem Gewin­nungs­see ver­sto­ße gegen ihr Eigen­tums­grund­recht. Außer­dem wer­de die ver­ar­bei­ten­de Indus­trie durch die Ent­gel­ter­mä­ßi­gun­gen für zu Küh­lungs­zwe­cken genutz­tes Was­ser gegen­über der Roh­stoff­in­dus­trie unge­recht­fer­tigt bevorzugt.

Die Klä­ge­rin des zwei­ten jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts Ver­fah­rens [2] betreibt für die Ver­sor­gung von Braun­koh­le­kraft­wer­ken drei Tage­bau­be­trie­be. Zur Gewin­nung der Braun­koh­le muss zuvor das Grund­was­ser aus den Lager­flä­chen ent­nom­men wer­den. Ein Teil des ent­nom­me­nen Was­sers wird unge­nutzt in Ober­flä­chen­ge­wäs­ser ein­ge­lei­tet. Die Klä­ge­rin bean­stan­det die Ent­gelt­er­he­bung, weil sie das Was­ser nicht wirt­schaft­lich nut­zen, son­dern ledig­lich besei­ti­gen wolle.

Bei­de Kla­gen hat­ten in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln [3] und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter [4] kei­nen Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Urtei­le nun bestä­tigt und die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­sio­nen der Klä­ge­rin­nen zurück­ge­wie­sen. Es hält die Rege­lun­gen des zur Prü­fung gestell­ten Ent­gelt­ge­set­zes für mit dem Grund­ge­setz vereinbar. 

Für die Erhe­bung von nicht-steu­er­li­chen Abga­ben ist sowohl dem Grun­de als auch der Höhe nach eine beson­de­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung erfor­der­lich. Auch müs­sen sich sol­che Abga­ben hin­rei­chend deut­lich von Steu­ern unter­schei­den. Die­sen Anfor­de­run­gen wird die lan­des­recht­li­che Aus­ge­stal­tung des Was­ser­ent­nah­me­ent­gelts gerecht. Ein abschöp­fungs­fä­hi­ger Son­der­vor­teil liegt dar­in, dass die Unter­neh­men durch die Erlaub­nis zur Was­ser­ent­nah­me Zugriff auf ein Gut der All­ge­mein­heit erhal­ten. Auch bei Benut­zung von Was­ser aus einem Bag­ger­see, der auf dem Ent­gelt­pflich­ti­gen gehö­ren­den Grund­stü­cken ent­stan­den ist (BVerwG 9 C 15.16), wird ein Son­der­vor­teil erlangt, soweit die Was­ser­ent­nah­me erlaub­nis­pflich­tig ist. Im Ver­fah­ren BVerwG 9 C 16.16 ist ein sol­cher Vor­teil fer­ner unbe­scha­det des Umstan­des gege­ben, dass das Berg­bau­un­ter­neh­men das Grund­was­ser ledig­lich besei­ti­gen will. Denn ohne Erlaub­nis zur Grund­was­ser­ent­nah­me ist der spä­te­re Braun­koh­le­ab­bau nicht möglich.

Die staat­li­che Leis­tung der Gewäh­rung eines Zugriffs auf ein Gut der All­ge­mein­heit steht wei­ter in ange­mes­se­nem Ver­hält­nis zur Höhe des Ent­gelts. Das Was­ser als ein Gut der All­ge­mein­heit hat zwar kei­nen Markt­preis, an dem ein Ent­gelt gemes­sen wer­den könn­te. Als einer natür­li­chen Res­sour­ce kommt ihm jedoch bereits ein Wert an sich zu. Die Ent­gelt­hö­he bewegt sich hier im Bun­des­län­der­ver­gleich im Mit­tel­feld. Ein gro­bes Miss­ver­hält­nis zwi­schen dem Ent­gelt und der staat­li­chen Leis­tung liegt nicht vor. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat deut­lich höhe­re Ent­gelt­sät­ze ande­rer Bun­des­län­der für die Was­ser­ent­nah­me in der Ver­gan­gen­heit nicht beanstandet.

Die Begüns­ti­gung der mit Kühl­kreis­läu­fen arbei­ten­den Indus­trie­zwei­ge gegen­über der Roh­stoff­för­de­rung stellt ein fol­ge­rich­tig durch­ge­hal­te­nes Kon­zept des Gesetz­ge­bers dar, das sich inner­halb der Gren­zen sei­nes wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums bewegt. 

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 16. Novem­ber 2017 – 9 C 15.16 und 9 C 16.16

  1. BVerwG – 9 C 15.16[]
  2. BVerwG 9 C 16.16[]
  3. VG Köln, Urtei­le vom 25.03.2014 – 14 K 944/​14 und 14 K 6024/​11[]
  4. OVG Müns­ter, Urtei­le vom 09.09.2016 – 9 A 938/​14 und 9 A 999/​14[]