Biogas für die Luftfahrt

nwieweit ist unter tech­nis­chen, ökol­o­gis­chen und ökonomis­chen Aspek­ten die Nutzung von Bio­gas zur Her­stel­lung von Biokerosin möglich, und welche Chan­cen ergeben sich daraus für den Stan­dort Nord­deutsch­land? Dieser Leit­frage ist in den ver­gan­genen Monat­en ein Kon­sor­tium mit Part­nern aus Nieder­sach­sen und Ham­burg im Rah­men ein­er Mach­barkeitsstudie nachge­gan­gen, deren Ergeb­nisse nun vor­liegen.

Biogas für die Luftfahrt

Ziel dieser Studie war es, die Wertschöp­fungs­kette zur Pro­duk­tion von Biokerosin aus Bio­methan, das in den ländlichen Räu­men Nieder­sach­sens zur Ver­fü­gung ste­ht, zu iden­ti­fizieren und darzustellen. Hier­bei hat sich gezeigt, dass eine nach­haltige Biokerosin-Pro­duk­tion auf der Basis von Bio­gas unter bes­timmten Bedin­gun­gen möglich sein kann. Die erforder­lichen Tech­nolo­gien für eine direk­te Ver­flüs­si­gung von Bio­gas (Gas to Liq­uids (GtL)-Prozess) ste­hen zur Ver­fü­gung, und es muss der fos­sile Energi­eträger Erdgas durch das chemisch iden­tis­che Bio­methan erset­zt wer­den. Die Ergeb­nisse der ökol­o­gis­chen Analyse sind eben­falls ermuti­gend, denn es hat sich gezeigt, dass bei der Erzeu­gung von Bio­methan auf eine große Band­bre­ite an ver­füg­baren Sub­strat­en zurück­ge­grif­f­en wer­den kann, ohne die pos­i­tive Gesamt­bi­lanz zu gefährden. Auch sind die Emis­sio­nen des Verkehrsek­tors aus fos­silen Quellen beson­ders kli­maschädlich.

Zu den zen­tralen Ergeb­nis­sen der Studie gehört, dass je nach Szenario 0,25 bis 2,1 Prozent des jährlichen deutschen und knapp 1,5% bis 11,5% des nieder­säch­sis­chen Keros­inbe­darfs aus Bio­methan gedeckt wer­den kön­nten. Unter bes­timmten Voraus­set­zun­gen ließen sich 1& des deutschen und 5,7% des nieder­säch­sis­chen Keros­inbe­darfs zu 100 Prozent auf Basis von Rück­stän­den, Neben­pro­duk­ten und Abfällen erzeu­gen.

Welche Chan­cen die Bio­gas-GtL-Route am Markt hat, hängt nicht nur von dem Bedarfsvol­u­men ab, das durch Kerosin aus Bio­methan abgedeckt wer­den kann, son­dern auch von der Preis­si­t­u­a­tion. „Die Geste­hungskosten für das Biokerosin wür­den bei gün­sti­gen Rah­menbe­din­gun­gen beim rund 1,6‑fachen des gegen­wär­ti­gen Mark­t­preis­es für herkömm­lich­es Kerosin liegen; in ungün­sti­gen Fällen sind auch deut­lich höhere Geste­hungskosten möglich”, so Mar­tin Kaltschmitt vom Insti­tut für Umwelt­tech­nik und Energiewirtschaft der TU Ham­burg-Har­burg, das zusam­men mit der HAWK Göt­tin­gen die Studie maßge­blich erar­beit­et hat. Langfristig sei jedoch auf­grund poten­ziell steigen­der Preise für kon­ven­tionelles Kerosin und das Durch­laufen der Lernkurve von ein­er ökonomis­chen Per­spek­tive für Biokerosin aus Bio­gas auszuge­hen; dies gelte ins­beson­dere dann, wenn durch die energiewirtschaftliche Rah­menset­zung eine ver­stärk­te Bio­methan-Ein­speisung ins vorhan­dene Erdgas­netz unter­stützt werde. Hier sei es notwendig, weit­ere Forschungsanstren­gun­gen zu unternehmen, um die vorhan­de­nen Kostenre­duk­tionspoten­ziale im Ver­lauf der gesamten Bere­it­stel­lungs­kette zu iden­ti­fizieren und erfol­gre­ich zu erschließen.

Die langfristige Per­spek­tive reicht dabei von der Erzeu­gung von Bio­methan im indus­triellen Maßstab und der dezen­tralen Ein­speisung in das vorhan­dene Erdgas­netz bis hin zur Real­isierung von GtL-Pro­duk­tion­san­la­gen in Nord­deutsch­land.